Delegation aus der Hugenottenstadt feierte in Österreich 40 Jahre Verschwisterung „Traubenkur“ lockte die ersten Isenburger nach Bad Vöslau

Die Gäste aus Neu-Isenburg und ihre Gastgeber aus Bad Vöslau im Gewölbekeller von Schloss Gainfarn – dort fand auch der Heurigen-Abend statt. Foto: Postl

Neu-Isenburg (lfp) – Am 15. April 1978 unterzeichneten der damalige Bürgermeister von Neu-Isenburg, Hans-Erich Frey, und sein Kollege aus dem österreichischen Bad Vöslau, Hans Herzog, sowie weitere Repräsentanten einen Verschwisterungsvertrag. Damit wurde offiziell besiegelt, was sich vorher schon längere Zeit auf rein menschlicher Basis angebahnt hatte: eine Freundschaft zwischen Menschen, die zwar 721 Kilometer weit entfernt voneinander lebten, aber schon mehr als freundschaftlich verbunden waren. Seit 40 Jahren hat diese Freundschaft nun Bestand – Anlass für eine 40-köpfige Gruppe Neu-Isenburger, der österreichischen Partnerstadt am vergangenen Wochenende einen Besuch abzustatten.

Alles begann mit reinen Kur-Besuchen von Isenburgern wie Walter Bechtold oder Achilles Rehberger, der später sogar ein Haus in Bad Vöslau erwarb. Nicht nur die heilende Thermalquelle lockte Besucher aus der Hugenottenstadt an, sondern auch die „Traubenkur“, die neben der rein medizinischen Anwendung auch individuelle Gründe bot, nach Bad Vöslau zu reisen. So war Karl-Heinz Schäfer ein regelmäßiger Gast und auch Rudi Witzig zog es immer wieder in das Bad-Städtchen in der Nähe von Wien. Ein Freundschaftsspiel der von Rudi Witzig geleiteten Alt-Fußballer aus Neu-Isenburg und den Gästen auch Bad Vöslau soll den entscheidenden Anstoß zur offiziellen Städtepartnerschaft gegeben haben. „Unsere Mannschaft hat zwar verloren, doch wir haben dennoch zu unserem Vorhaben gestanden“, betonte Bad Vöslaus Ehrenbürgermeister Alfred Flammer bei der Rückverschwisterungsfeier am vergangenen Wochenende.

Revanche nahm Flammer dann aber an Oliver Quilling. Bei seinem „Antrittsbesuch“ in Bad Vöslau wollte Bürgermeister Flammer seinem jungen Gast aus Neu-Isenburg das schöne Bad Vöslau zeigen – allerdings mit dem Fahrrad. „Ich hatte weder ein Fahrrad noch passende Schuhe dabei. Die Schuhe habe ich schnell gekauft, das Fahrrad besorgte mir der Kollege Alfred Flammer, dann ging es auch schon los“, beschrieb Oliver Quilling die dann folgende Odyssee. „Er hat mir nicht nur Bad Vöslau gezeigt, sondern das gesamte Weinbaugebiet drum herum – und dort kennt er jeden Weinbauer“, schilderte Quilling. Eine Verkostung hier, eine dort, bis man wieder in Bad Vöslau eintraf. „Ich war doppelt geschafft, einmal von der langen Radtour und dann vom vielen Wein“, so Quilling. Doch es stand noch ein festlicher Gottesdienst an. „Ich hing in der Bank wie der berühmte Schluck Wasser und der viele Weihrauch ließ mich mich schon unter den singenden Engel im Himmel wähnen“, erzählte der heutige Landrat des Kreises Offenbach.

Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel und Bad Vöslaus Stadtoberhaupt Christoph Prinz sehen in der Verschwisterung beider Städte eine ganz besondere Verbindung. „Diese Verschwisterung basiert nicht auf zwei Stadtoberhäuptern, die ein Papier unterzeichnen und Geschenke austauschen, diese Freundschaft wird aktiv gelebt“, betonte Hunkel. Als bestes Beispiel nannte Bürgermeister Herbert Hunkel das Neu-Isenburger Weinfest, das mit dem Wein-Know-How aus Bad Vöslau initiiert und zum heutigen Erfolg geführt wurde. „Sie sind jedes Jahr mit ihrem Weinstand auf unserem Weinfest vertreten, wo sich immer mehr Freunde des Bad Vöslauer Weines einfinden“, betonte Hunkel und lobte in diesem Zusammenhang das unermüdliche Engagement der ehemaligen Kurdirektorin Maria Haarhofer. Auch in ihrem Ruhestand ist „die Haarhofer“ ehrenamtlich engagiert und bringt sich als Obfrau des Fremdenverkehrsverbandes immer noch mit großem Engagement zum Wohle ihrer Heimatgemeinde Bad Vöslau ein.

Aber auch Bad Vöslaus Bürgermeister Christoph Prinz, der nun schon seit 15 Jahren die Amtsgeschäfte führt, sah die Verbindung zu Neu-Isenburg als eine wunderbar gelebte Partnerschaft. „Wenn ich nur meine persönlichen vielen guten Verbindungen zu ganz besonderen Menschen in Neu-Isenburg betrachte, dann weiß ich, was gelebte Partnerschaft bedeutet“, hob Christof Prinz hervor. „Wenn ich an die Anfänge der Verschwisterung zurückdenke, dass Neu-Isenburger Hühner bei uns herumgerannt sind und Bad Vöslauer Hasen bei euch in Neu-Isenburg, dann ist doch das etwas Wunderbares“, zielte der Bürgermeister auf Verbindungen auf Vereinsebene, aber auch zwischen den Menschen ab, „daraus sind mittlerweile mehrere Hochzeitspaare hervorgegangen“, so Prinz.

Begonnen hatte die Jubiläumsverschwisterungs-Tour mit einer Fahrt der Neu-Isenburger Delegation nach Bad Vöslau am frühen Freitagmorgen, wo sie bei der Ankunft von Bürgermeister Christoph Prinz mit „wehenden Fahnen“ empfangen wurde. Beim Heurigen-Abend im Gewölbekeller des Schlosses Gainfarn wurden weitere Kontakte geknüpft und bereits Bestehende vertieft. Überaus interessant war der Besuch der „tierischen“ Forschungsstation Haidlhof am Samstagmorgen, wo mit heimischen Kolkraben und Neuseeländischen Keas die kognitiven Fähigkeiten dieser beiden Tiergruppen erforscht werden. Nicht minder interessant das Verhaltensforschungsprojekt mit den ebenfalls aus Neu-Seeland stammenden Kunikuni-Schweinen. Interessant auch der Kurzausflug nach Wien, wo nicht nur der Besuch des weltberühmten Hotel Sacher auf der Wunschliste vieler Neu-Isenburger stand.

Am Samstagabend fand dann der offizielle Akt der Verschwisterungsfeier im Thermalbad statt. Dort begeisterte die Isenburger Tanzformation „Arabesque“ bei ihrem Auftritt in der Bibliothek – ein Novum für die Tänzerinnen, aber auch für Bad Vöslau. Nach der Unterzeichnung der Rückverschwisterungsurkunde überreichte Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel nicht nur einen „Baum der Freundschaft“, ein Apfelbaum der Sorte Goldparmäne, sondern auch einen Scheck in Höhe von 400 Euro für die Initiative „Vömit“, was für „Bad Vöslau miteinander“ steht, und deren Schwerpunkt Integrationsarbeit ist. Nach der kurzen Nacht hieß es Abschied nehmen von ganz lieb gewonnen Freunden. Alle versprachen, die besondere Verbindung auch weiterhin „zu leben“.

 

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