Immer noch aktuell: Das Thema „Sklaverei“ Mosaikkriche präsentiert Rich Swingles Theaterstück

Beeindruckende Leistung: Rich Swingle schlüpfte bei der Aufführung des Stückes „I dreamed I was free“ in neun verschiedene Rollen. Foto: zbs

Bergen-Enkheim (zbs) – Die alte Sklavin Dolly hatte in South Carolina, in den Vereinigten Staaten des 18. Jahrhunderts, einen Traum. Sie sei gelaufen und gelaufen bis sie zum Meer gelangte und dort schwimmen gegangen sei. Für Menschen wie sie damals ein Ding der Unmöglichkeit. Der New Yorker Rich Swingle nahm sich der Geschichte an und präsentierte für die Mosaikkirche Bergen-Enkheim das Ein-Mann-Theaterstück „I dreamed I was free“ in englischer Sprache.

Dolly diente zusammen mit anderen Sklaven einer christlichen weißen Familie auf dem Land. John Woolman war der Erste in der Familie, der tiefer und philosophischer darüber nachdachte, was es bedeutet Christ zu sein, aber dennoch Leibeigene zu besitzen, zu verkaufen und mit ihnen zu handeln, als wären es Tiere. Woolman hat zu seinen Zeiten ein Tagebuch geführt, aus dem bis heute zitiert wird, wenn es um Sklaverei geht.

Rich Swingle tritt mit seinem Ein-Mann-Theaterstück regelmäßig auf

Mehr als 200 Jahre später, im Jahre 1997, hatte Rich Swingle die Idee, aus dieser Geschichte ein Ein-Mann-Theaterstück zu schreiben, mit dem er regelmäßig auftritt. Auf seiner Tour durch Europa besuchte er Kopenhagen, Brüssel und Frankfurt, genauer: Die Riedsporthalle in Enkheim. „Wir freuten uns unheimlich, als Swingle uns zusagte“, sagt Katharina Steinhauer, Pastorin der Mosaikkirche, die diese Veranstaltung ermöglicht hat.

Es geht um den Glauben an Gott, um Wut und Verzweiflung

In dem englischsprachigen Stück, in dem Swingles Frau Regie geführt hat, geht es viel um den Glauben an Gott, um Wut und um Verzweiflung. In dem Werk erzählt der Protagonist eine Anekdote, welche die Kernaussage gut beschreibt: John hatte auf seinen Reisen zwei Sklaven reden gehört. Der eine sagte zu dem anderen: „Wenn diese Kolonisten alles, was sie tun auf ihren Gott und Jesus zurückführen, dann müssen die die schrecklichsten Gestalten sein.“ Daraufhin habe er sich verpflichtet gefühlt, gegen die Lage in seinem Land etwas zu tun und die Sklaven seines Hofes, egal wie viel es koste, freizulassen.

Rich Swingle übernimmt im Stück neun verschiedene Rollen

Swingle übernahm im Stück insgesamt neun verschiedene Rollen, er schlüpfte von einem erhabenen weißen Sklavenbesitzer binnen Sekunden in die Haut eines sterbenden jungen Schwarzen, der sein Kind nie wieder sehen wird. Die Geschichte zeigte die Entwicklung der Charaktere von Woolman, der Sklavin Dolly und des Sklavenhändlers Michael Worthington.

Im ersten Teil des Schauspiels wurde John Woolman als kleines Kind präsentiert. Im zweiten Teil ist er 19 und später kehrt er nach einer längeren Reise als 38-Jähriger zurück und will Michael davon überzeugen, wie unmoralisch er handle.

Die Zuschauer sind bei der Theateraufführung ebenfalls gefordert

Noch eine Besonderheit des Abends war, wie interaktiv Swingle ihn gestaltete. So fungierten die Zuschauer als „Teilnehmer“ in dem „Philadelphia Yearly Meeting“, sie standen auf gegen Sklaverei und waren zwischen dem zweiten und dritten Teil für mehrere Minuten nach Aufforderung des Künstlers so absolut leise, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können.

Nach Ende des Stückes setzte sich Swingle auf den „Hot Seat“ und alle durften ihm Fragen stellen zu den Charakteren, oder zu ihm selbst, natürlich auf Englisch. Die rund 100 Zuschauer fragten, ob das Problem der Sklaverei denn noch aktuell sei und wenn ja, was Woolman heutzutage dagegen machen würde. „Leider gibt es aktuell fast mehr Leibeigene, als damals, wenn auch nicht mehr in den USA. Es ist noch immer sehr schlimm. Insgesamt sind es fast 30 Millionen weltweit. Was wir tun können ist, unser Verhalten gegenüber Menschen, egal welcher Herkunft, im Grundsatz zu ändern. Es ist nun, mehr denn je wichtig, Liebe zu zeigen und zu glauben“, waren daraufhin die Worte des Schauspielers.

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