GHK veröffentlicht Dokumentation über die Flakstellungen in der Ostgemarkung Gegen das Vergessen

Machten die Broschüre möglich (von links): Verleger Andreas Thiele und die Autoren Dr. Ferdinand Stegbauer und Dr. Wilhelm Ott. Foto: lfp

Neu-Isenburg (red) – In der Neu-Isenburger Ostgemarkung blieben durch besondere Umstände Relikte von Flakstellungen einer „Großkampfbatterie“ erhalten. 1944/45 mussten dort 15- bis 16-jährige Schüler wie ausgebildete Soldaten ihren Dienst an den Flugabwehrkanonen leisten. Eine besonders gut erhaltene Flakstellung ist im Mai 2017 in die Denkmalschutzliste des Kreises Offenbach eingetragen worden. Vorausgegangen waren ein Antrag des Magistrats sowie eine Ortsbesichtigung mit Dr. Dieter Griesbach-Maisant, Leiter der Inventarisation in der Bau- und Kunstdenkmalpflege beim Landesamt für Denkmalpflege in Hessen.

Dies und die immer wieder bekundeten Nachfragen nach dem Sinn und Zweck dieser Einrichtungen waren Anlass für den GHK, eine Veröffentlichung zu diesem Thema in Auftrag zu geben. Der Verein für Geschichte, Heimatpflege und Kultur wollte vor dem Hintergrund des Bombenkrieges in der Frankfurter Region die Flakstellungen beschreiben und die heute noch vorhandenen Überreste dokumentieren. Nicht im Sinne einer heldenhaften Verherrlichung, sondern um die Sinnlosigkeit und Menschenverachtung des von Deutschland in die Welt getragenen Krieges zu dokumentieren. Als Mahnmal der Zeitgeschichte.

Die beauftragten Autoren Dr. Wilhelm Ott und Dr. Ferdinand Stegbauer hätten diese Aufgabe mit großem und vorbildlichem Engagement und mustergültiger Akribie ausgeführt, so der Verein. Beide interviewten zusätzlich zu den vorhandenen Berichten weitere Zeitzeugen, was ein sehr eindrucksvolles und detailreiches Nachempfinden des damaligen Geschehens ermöglicht. Nach dem Krieg dienten die Reste der Flakstellungen als Abenteuerspielplatz, Pferdeställe und sogar als Unterkunft.

Die Autoren beschreiben in der Broschüre auch die Geschehnisse des 29. Januar 1944, als eine der Stellungen durch eine Fliegerbombe zerstört wurde. Dabei verloren fünf Jugendliche Luftwaffenhelfer, vier russische Kriegsgefangene und ein Soldat das Leben.

Ein Gedenkstein, initiiert und finanziert von ehemaligen Kameraden der Luftwaffenhelfer, erinnert am Schindkautsweg an das Ereignis. In einer Entfernung von knapp sieben Kilometern steht am Heusenstammer Schloss ein weiterer Gedenkstein. Dieser erinnert an die getöteten Besatzungsmitglieder eines abgeschossenen englischen Bombenflugzeuges. Die jungen Menschen auf beiden Seiten waren Opfer eines sinnlosen Krieges, der vom nationalsozialistischen Deutschland ausging.

Wie die damaligen Luftwaffenhelfer berichteten, leisteten sie ihren Dienst in der Gewissheit, Volk und Vaterland zu verteidigen. Erst später wurde ihnen bewusst, dass sie ihre Jugend einem verbrecherischen System opfern mussten. Es blieben oftmals nur die traumatischen Erinnerungen an diese schlimme Zeit.

Den beiden Autoren, so der GHK, gebühre für ihr engagiertes und kompetentes Arbeiten größter Dank. Ebenso Andreas Thiele, Inhaber des Neu-Isenburger Verlags edition momos im Druck- und Medienhauses Thiele für die fachliche Beratung und Herstellung der Veröffentlichung.

Vorstellung am 29. Januar

Die Broschüre wird am Dienstag, 29. Januar, um 17 Uhr in der Gaststätte „Reiterschänke“ am Triebweg von den Autoren vorgestellt.

Zuvor, um 16 Uhr, findet das alljährliche Gedenken am Erinnerungsstein der Luftwaffenhelfer im Schindkautsweg statt.

Ab 1. Februar ist die Broschüre in allen Buchhandlungen, in der Stadtbibliothek und im Bürgeramt erhältlich zum Selbstkostenbeitrag von 15 Euro.

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